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Forschung, Datenlage und offene Fragen

Stammzellen und Studienlage verständlich erklärt

Stammzellen wachsen in einer Kulturflasche im Labor – Szene aus einem Erklärfilm zur Behandlung.

Wie werden mesenchymale Stromazellen und extrazelluläre Vesikel erforscht, was können klinische Studien aussagen, und welche Fragen sind noch offen? Ein biologischer Wirkmechanismus ist ein Grund, eine Behandlung zu untersuchen, für sich genommen aber kein Beleg dafür, dass sie Patienten hilft.

Wissenschaft anschaulich erklärt

Vom Gelenk zur Zelle.

Anatomie, Signalwege und die Fragen, denen die Forschung nachgeht. Diese schematischen Szenen veranschaulichen wissenschaftliche Konzepte, nicht ein zu erwartendes Behandlungsergebnis.

Animation: Injizierte Flüssigkeit verteilt sich über abgenutztem Knorpel im Kniegelenk.
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Animation: Injizierte Flüssigkeit verteilt sich über abgenutztem Knorpel im Kniegelenk.

01 Das Gelenk

Am Anfang steht das ganze Gelenk.

Knorpel, Knochen, Gelenkinnenhaut und umliegendes Gewebe bilden ein zusammenhängendes System. Die Forschung betrachtet daher nicht nur einzelne Zellen, sondern auch ihr lokales Umfeld.

Die Knieansicht zeigt das Gelenk zunächst in natürlicher Größe.

  • Gelenkstrukturen
  • Gewebeumfeld
  • Verschiedene Zelltypen
Eine Stammzelle setzt eine Wolke winziger Vesikel in Richtung benachbarter Zellen frei.

02 Die Signale

Zellen beeinflussen ihre Nachbarn.

Mesenchymale Stromazellen setzen lösliche Faktoren und extrazelluläre Vesikel frei. Wie diese Signale auf andere Zellen wirken, untersucht die Forschung unter dem Begriff parakrine Signalübertragung.

Die Illustration zeigt zwei Zelloberflächen, kleine Vesikel und molekulare Strukturen getrennt voneinander.

  • Ausgangszelle
  • Lösliche Faktoren und Vesikel
  • Empfängerzelle
Injiziertes Gel verteilt sich über abgenutztem Gelenkknorpel, die Oberfläche wird glatter.

03 Die Reaktion

Die Reaktion hängt vom Umfeld ab.

Ortsständige Zellen, Immunzellen und das umgebende Gewebe wirken auf komplexe Weise zusammen. Ein vermuteter Wirkmechanismus muss für das jeweilige Präparat und die jeweilige Erkrankung eigens überprüft werden.

Eine biologische Erklärung belegt weder Schmerzlinderung noch Knorpelaufbau noch einen Behandlungsnutzen. Relevante Ergebnisse, Risiken und der Langzeitverlauf müssen in Studien am Menschen gesondert untersucht werden.

  • Ortsständige Gewebezellen
  • Immunzellen
  • Lokales Umfeld

Wie Wirkmechanismen vor dem klinischen Einsatz geprüft werden

Was sind Stammzellen?

Der Körper besteht aus spezialisierten Zellen mit unterschiedlichen Aufgaben. Stammzellen können weitere Zellen ihres eigenen Typs bilden und, in Grenzen, die vom Zelltyp abhängen, spezialisierte Tochterzellen hervorbringen. Manche erhalten Gewebe ein Leben lang. Soll ein Zellprodukt als Behandlung eingesetzt werden, müssen Sicherheit und Nutzen für die jeweilige Erkrankung eigens nachgewiesen sein.

Der Begriff mesenchymale Stromazellen (MSCs) bezeichnet kultivierte Zellpopulationen aus Quellen wie Knochenmark, Fettgewebe und Nabelschnurgewebe. Oft werden sie mesenchymale Stammzellen genannt. Der Name bedeutet jedoch nicht, dass jede dieser Zellen geschädigte Organe wiederaufbauen oder sich im Körper eines Patienten zu funktionsfähigen Nervenzellen entwickeln kann.

Selbsterneuerung und Differenzierung sind biologische Eigenschaften, keine Garantie für einen Behandlungserfolg. Übliche Laborkriterien für MSCs sind bestimmte Oberflächenmarker und die Fähigkeit, unter festgelegten Kulturbedingungen Knochen-, Fett- und Knorpelzellen zu bilden. Diese Tests bestimmen eine Zellpopulation; sie belegen weder eine klinische Wirksamkeit noch eine Regeneration von Nerven. Siehe dazu die ISCT-Mindestkriterien zur Charakterisierung.

Welche Stammzellen in der Medizin eingesetzt werden

Embryonale Stammzellen und induzierte pluripotente Stammzellen (iPSCs) unterscheiden sich in ihrem Entwicklungspotenzial und ihren Risiken von MSCs, die aus Geweben gewonnen werden. MSCs aus der Wharton-Sulze (WJ-MSCs) stammen aus dem Bindegewebe der Nabelschnur nach der Geburt. Zellen aus Nabelschnurgewebe sind nicht dasselbe wie Produkte aus Nabelschnurblut. Wird Ihnen ein WJ-MSC-Produkt vorgeschlagen, sollten Sie Folgendes klären:

  • Die genaue Gewebequelle und ob die Zellen von einem Spender oder von Ihnen selbst stammen
  • Wie Einwilligung und Infektionsscreening der Spender erfolgen und ob sie sich bis zum Produkt zurückverfolgen lassen
  • Wie Kultivierung, Vermehrung, Lagerung und Transport das fertige Zellpräparat beeinflussen
  • Welche Prüfungen auf Identität, Viabilität und funktionelle Wirksamkeit für die Chargenfreigabe eingesetzt werden
  • Ob veröffentlichte Studien dasselbe Produkt, denselben Verabreichungsweg, dieselbe Dosis und eine vergleichbare Patientengruppe untersucht haben

Mehr dazu in unserem Überblick zur Therapie mit mesenchymalen Stammzellen, einschließlich der Fragen, die Sie bei Behandlungsvorschlägen in Neurologie, Orthopädie, bei Autoimmunerkrankungen und in der regenerativen Medizin besprechen sollten.

Mesenchymale Stromazellen aus der Wharton-Sulze (WJ-MSCs)

WJ-MSCs sind eine von mehreren Quellen mesenchymaler Stromazellen, die in der regenerativen Medizin untersucht werden. Ihre Eigenschaften hängen vom Spender, der Gewebeaufbereitung, den Kulturbedingungen und dem Herstellungsprozess ab. Allein die Herkunft aus Nabelschnurgewebe bedeutet nicht, dass sie sicherer oder wirksamer sind oder bessere Behandlungsergebnisse erzielen als MSCs aus anderen Quellen.

Wachstum in der Kultur

WJ-MSCs lassen sich in der Laborkultur vermehren. Wachstumsrate und Differenzierungstests beschreiben Herstellungsmerkmale, keinen klinischen Vorteil gegenüber anderen Zellen.

Signale an das Immunsystem

Studien untersuchen, wie MSCs mit Immunzellen und Entzündungssignalen zusammenwirken. Die Effekte hängen vom Präparat und den Versuchsbedingungen ab; eine allgemeingültige entzündungshemmende Behandlungswirkung lässt sich daraus nicht ableiten.

Ausschüttung von Wachstumsfaktoren

MSCs geben lösliche Faktoren und extrazelluläre Vesikel ab. Ihre Rolle für das Überleben von Zellen und für Gewebereaktionen wird erforscht. Die Ausschüttung allein belegt aber nicht, dass Knorpel, Bandscheiben oder andere Gewebe bei Patienten nachwachsen.

Eigenschaften, mögliche Vorteile und Grenzen

Nabelschnurgewebe liefert Spenderzellen, ohne dass dem Empfänger Knochenmark oder Fett entnommen werden muss. Weitere angenommene Vorteile müssen für das jeweilige Produkt geprüft werden:

  • Zellidentität: Oberflächenmarker helfen, MSCs zu charakterisieren. Die Expression dieser Marker belegt weder Pluripotenz noch eine überlegene Wirksamkeit oder Risikofreiheit.
  • Wechselwirkung mit dem Immunsystem: Eine im Labor beobachtete immunmodulierende Aktivität kann nach der Verabreichung je nach Erkrankung und Entzündungslage anders ausfallen.
  • Immunrisiko bei Spenderzellen: Es ist nicht garantiert, dass MSCs von Spendern für das Immunsystem unsichtbar bleiben. Eine geringe Expression bestimmter Immunmarker schließt eine Erkennung durch das Immunsystem oder unerwünschte Reaktionen nicht aus.
  • Keine Entnahme beim Empfänger: Mit gespendetem Nabelschnurgewebe entfällt beim Empfänger der Eingriff zur Zellentnahme. Infusion oder Injektion sind dennoch mit Risiken verbunden.
  • Vermehrung und Dosierung: Zellzahl, Kulturpassage, Viabilität und funktionelle Aktivität sind voneinander unabhängige Eigenschaften. Mehr Zellen oder eine stärkere Vermehrung bedeuten nicht automatisch eine bessere Behandlung.

Drei Wirkmechanismen im Fokus der Forschung

01

Signale an Immunsystem und Gefäße

In Zell- und Tierversuchen können ausgeschüttete Signale das Verhalten von Immunzellen und die Bildung von Blutgefäßen verändern. Welche Signalwege klinisch von Bedeutung sind, hängt von Produkt, Erkrankung und Verabreichungsweg ab.

02

Wechselwirkungen zwischen Zellen

Forschende untersuchen in Versuchssystemen lösliche Signale, direkten Zellkontakt und den Transfer von Mitochondrien. Diese Befunde belegen nicht, dass geschädigte Organe oder Nerven nach einer MSC-Infusion wiederhergestellt werden.

03

Signale über extrazelluläre Vesikel

Vesikel aus MSCs können Empfängerzellen über Proteine, Lipide und RNA beeinflussen. Ihre Zusammensetzung und biologische Aktivität müssen charakterisiert werden; wie sie klinisch verabreicht werden und ob sie nutzen, ist für jedes Produkt eigens zu klären.

Beispiele für Untersuchungen zu Wirkmechanismen sind Laborversuche zur Immun- und Gefäßaktivität von MSCs und Experimente zum Mitochondrientransfer bei Mäusen mit Lungenschädigung. Keine der beiden Studien belegt einen klinischen Nutzen bei den unten genannten Erkrankungen.

Diese angenommenen Wirkmechanismen erläutern wir auf unseren Seiten zu neurologischen, orthopädischen und Autoimmunerkrankungen sowie zur Unterstützung bei Autismus. Daten zu einer Erkrankung oder einem Produkt belegen keinen Nutzen bei einer anderen.

Allogene Therapien: Spenderzellen und Produktqualität

Allogen bedeutet, dass die Zellen von einem Spender stammen, autolog, dass sie vom Patienten selbst stammen. Spenderprodukte setzen eine dokumentierte Einwilligung, Rückverfolgbarkeit, die Eignung des Spenders und Tests auf Infektionskrankheiten voraus. Das Screening senkt das Risiko, kann aber nicht garantieren, dass ein Produkt frei von Infektionserregern ist. Fragen Sie, wer das Produkt herstellt und wie jede Charge freigegeben wird.

Kontrollen bei der Herstellung sind unverzichtbar. Eine Bezeichnung wie „GMP-konform“ belegt jedoch weder die Zulassung einer bestimmten Einrichtung noch die Wirksamkeit einer Behandlung. Fragen Sie nach dem namentlich genannten Hersteller, der gültigen Genehmigung, dem Geltungsbereich des Zertifikats und der aktuellen Chargendokumentation. Laborqualität, behördliche Genehmigung und nachgewiesener klinischer Nutzen sind drei verschiedene Fragen.

Qualitätskontrolle und Herstellungsprozess

Screening

Fragen Sie, wie Spendereignung, Einwilligung, Tests auf Infektionskrankheiten und Rückverfolgbarkeit dokumentiert werden. Kein Screening kann jedes Infektions- oder Immunrisiko ausschließen.

Aufreinigung

Fragen Sie, wie die Zellpopulation isoliert und vermehrt wird, welche Materialien zum Einsatz kommen und wie die Grenzen für die Passagezahl festgelegt sind. Die Zellzahl allein sagt nichts über die therapeutische Wirksamkeit aus.

Laufende Prüfungen

Lassen Sie sich die produktspezifischen Freigabekriterien für Identität, Viabilität, Sterilität, Endotoxine, Mykoplasmen und funktionelle Aktivität geben. Akzeptanzgrenzen und validierte Methoden sollten Ihnen erklärt werden.

Kryokonservierung

Fragen Sie, wie Einfrieren, Transport, Auftauen und die Zeit bis zur Verabreichung kontrolliert werden und ob sich die angegebene Viabilität und Dosis auf das Produkt nach dem Auftauen beziehen.

Zur Qualitätsprüfung können die Identitätsbestimmung per Durchflusszytometrie, Tests auf Verunreinigungen, die Viabilität, die genetische Stabilität und Tests einer relevanten biologischen Funktion gehören. Prüfumfang und Grenzwerte müssen für das jeweilige Produkt begründet sein. Weder eine bestimmte Zahl an Tests noch ein Viabilitätswert in Prozent können für jeden Patienten ein sicheres und wirksames Ergebnis gewährleisten.

Hypoxie-konditionierte mesenchymale Stammzellen

Präkonditionierung bedeutet, die Kulturbedingungen der Zellen vor dem Einsatz gezielt zu verändern, etwa durch einen anderen Sauerstoffgehalt oder durch ausgewählte Signalstoffe. Forschende untersuchen, ob sich dadurch Überleben, Stoffwechsel oder ausgeschüttete Faktoren der Zellen verändern. Auch ein so veränderter Herstellungsprozess muss eigens charakterisiert und auf seine Sicherheit geprüft werden.

Bei der hypoxischen Kultur ist der Sauerstoffgehalt niedriger als in der herkömmlichen Laborkultur. Die Ergebnisse hängen von Sauerstoffkonzentration, Dauer der Exposition, Zellquelle und Testverfahren ab. Experimentelle Studien untersuchen:

  • Veränderungen immunbezogener Signale und der Zellwanderung
  • Wirkungen auf Endothelzellen und die Bildung von Blutgefäßen in experimentellen Modellen
  • Überleben, Stoffwechsel und Wachstum der Zellen unter festgelegten Kulturbedingungen
  • Ob beobachtete Veränderungen nach Lagerung, Auftauen und Verabreichung erhalten bleiben

So untersuchte etwa eine Laborstudie an MSCs aus Nabelschnurblut das Überleben und die gefäßbildende Aktivität der Zellen nach hypoxischer Konditionierung. Es handelte sich um eine In-vitro-Studie, nicht um eine Studie, die eine Regeneration von Knorpel, Knochen oder Sehnen beim Menschen belegt. Zudem sind MSCs aus Nabelschnurblut nicht dasselbe Präparat wie WJ-MSCs.

Wird Ihnen ein hypoxisch oder normoxisch kultiviertes Zellprodukt vorgeschlagen, fragen Sie nach dem genauen Herstellungsprozess und nach vergleichenden Daten am Menschen für Ihre Diagnose. Die auf dieser Seite genannte Literatur belegt nicht, dass hypoxie-konditionierte WJ-MSCs das Fortschreiten einer Erkrankung aufhalten oder einem normoxischen Produkt überlegen sind.

Was sind MSC-Exosomen?

Exosomen sind von einer Membran umschlossene extrazelluläre Vesikel, keine einzelnen Moleküle. Der Begriff bezeichnet Vesikel, die auf einem bestimmten Weg im Zellinneren entstehen. Ist diese Herkunft nicht nachgewiesen, ist der weiter gefasste Begriff extrazelluläre Vesikel (EVs) zutreffender. Die Größe allein belegt nicht, dass ein Präparat Exosomen enthält.

EVs aus MSCs können Proteine, Lipide und RNA enthalten. Ihre Zusammensetzung hängt von Zellquelle, Kulturbedingungen, Isolierung und Messmethoden ab; es gibt keine feste Zahl an Proteinen oder microRNAs, die ein MSC-EV-Produkt definiert. Eine geringe Größe garantiert auch nicht, dass die Vesikel die Blut-Hirn-Schranke überwinden oder ein therapeutisches Ziel erreichen.

Forschende untersuchen verschiedene Inhaltsstoffe und Aktivitäten der Vesikel:

  • Proteine und Lipide, die am Aufbau der Vesikel und an der Wechselwirkung mit Empfängerzellen beteiligt sind
  • RNA, einschließlich microRNAs, die in Versuchssystemen Signalwege oder die Genregulation beeinflussen können
  • Biologische Aktivität, gemessen mit geeigneten Kontrollen, um Effekte der Vesikel von mitisoliertem löslichem Material abzugrenzen

Laborbefunde begründen klinische Forschung. Sie belegen nicht, dass EVs zusätzlich zu einer MSC-Behandlung schneller Linderung verschaffen oder die Reparatur verbessern. Eine Kombination braucht eigene kontrollierte Studien, eine festgelegte Dosis und eine Sicherheitsbewertung. Eine im Einzelfall beobachtete Besserung lässt nicht erkennen, welche Behandlung sie bewirkt hat.

Ein EV-Produkt ist kein gleichwertiger Ersatz für lebende Zellen; Verabreichungsweg, Zeitpunkt und Risiken müssen gesondert beurteilt werden. Fragen Sie nach Nachweisen zu Identität, Reinheit, Wirksamkeit, Sterilität und der Zulassung des Herstellers, und schließen Sie aus einer Werbebeschreibung weder auf ein Labor vor Ort noch auf eine geprüfte Wirksamkeit. Die ISEV-Leitlinie MISEV2023 beschreibt Standards zur Charakterisierung in der Forschung; sie ist keine Zulassung einer Therapie.

Mehr zur Exosomentherapie
Illustration eines anonymen Gesprächs zur Behandlungsplanung.

Gezielte Anwendung von Stammzellen

Der Verabreichungsweg bestimmt, wohin ein Produkt gelangt, wie es untersucht wird und welche Risiken zu beurteilen sind. Bildgebung kann eine Nadel führen; sie belegt nicht, dass die Zellen überleben, ihr biologisches Ziel erreichen oder die Ergebnisse verbessern.

MSCs werden bei den folgenden Gruppen von Erkrankungen untersucht, doch der Stand und die Ergebnisse der Forschung unterscheiden sich. Die Liste beschreibt Forschungsfelder, keine Erkrankungen, bei denen jedes MSC- oder Exosomenprodukt nachweislich wirkt:

Arthritis und orthopädische Verletzungen
Neurologische Erkrankungen
Autoimmune und rheumatologische Erkrankungen
Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen
Hauterkrankungen und Anti-Aging
Urologie und sexuelle Gesundheit

Verabreichungsformen

Bei der intravenösen Gabe gelangen die Zellen in den Blutkreislauf; das garantiert nicht, dass sie das erkrankte Gewebe erreichen. Bei der lokalen Gabe wird ein Produkt an einer ausgewählten Stelle im Körper platziert. Bei der Wahl des Verabreichungswegs sind das genaue Produkt, die klinische Datenlage, die Anatomie, Alternativen und die Risiken des Eingriffs zu berücksichtigen. Fragen Sie, wer den Eingriff durchführt, welche Bildsteuerung und Anästhesie eingesetzt werden und wie mit Komplikationen umgegangen wird.

Intravenös (i. v.)

Infusion in eine Vene. Verteilung und Abbau im Körper bestimmen, wo die Zellen wirken; dass sie gezielt das kranke Gewebe ansteuern, ist nicht gesichert. Infusionsreaktionen und produktbezogene Risiken müssen überwacht werden.

Intraartikulär

Injektion in ein Gelenk, untersucht etwa bei Kniearthrose. Zu den Risiken zählen Schmerzen, Blutungen und Infektionen; ob und welche Betäubung nötig ist, wird individuell entschieden.

Intrathekal

Gabe in das Nervenwasser (Liquor), meist über eine Lumbalpunktion, nicht in das Rückenmark selbst. Kopfschmerzen, Infektionen, Blutungen und neurologische Komplikationen müssen eigens besprochen werden.

Intraläsional

Gabe in eine umschriebene Läsion oder in Weichgewebe. Wichtig sind Treffgenauigkeit, mögliche örtliche Gewebeschäden und produktspezifische Risiken; die lokale Platzierung allein belegt keinen Nutzen.

Intradiskal

Injektion in eine Bandscheibe; die Injektion in ein Facettengelenk ist ein anderer Eingriff. Infektionen und Verletzungen benachbarter Strukturen sind wesentliche Risiken; ob eine Sedierung nötig ist, hängt vom Eingriff ab.

Intradermal

Gabe in die Haut. Kosmetische Versprechen erfordern produktspezifische Nachweise; Schmerzen, Infektionen, Narbenbildung oder unerwünschte Gewebereaktionen können auftreten.

Forschung und Innovation

Verlässliche Forschung beginnt mit einer klar definierten Fragestellung, einem charakterisierten Produkt und einem vorab festgelegten Studienplan. Laborexperimente erforschen Wirkmechanismen, frühe Studien prüfen Machbarkeit und Sicherheit, kontrollierte Studien testen, ob der Nutzen den einer Vergleichsbehandlung übertrifft. Übersichtsarbeiten fassen diese Studien zusammen, können Schwächen der zugrunde liegenden Daten aber nicht beheben.

Wie Sie eine Studie einordnen

Ein aussagekräftiger Studienbericht nennt Patientengruppe, Intervention, Vergleichsbehandlung und Endpunkte, einschließlich unerwünschter Ereignisse und Studienabbrecher. Werden Zellen mit einer Operation, Rehabilitation, plättchenreichem Plasma oder anderen Therapien kombiniert, lässt sich der Beitrag der einzelnen Behandlung oft nur schwer abgrenzen. Prüfen Sie:

  • Ob die Zuteilung randomisiert war und Patienten oder Untersuchende verblindet waren
  • Zellquelle, Herstellung, Dosis, Verabreichungsweg und begleitende Behandlungen
  • Den vorab festgelegten primären Endpunkt sowie Größe und Unsicherheit des Effekts
  • Unerwünschte Ereignisse, Dauer der Nachbeobachtung und den Umgang mit fehlenden Daten
  • Unabhängige Wiederholung, Studienregistrierung, Finanzierung und Interessenkonflikte

Von der Studienlage zur Behandlungsentscheidung

Die Daten müssen zum vorgeschlagenen Produkt und zur Indikation passen. Ergebnisse mit körpereigenen Knochenmarkzellen, Fettgewebszellen, Nabelschnurblut, WJ-MSCs und isolierten EVs sind nicht austauschbar. Ein günstiger Sicherheitsbericht aus einer kleinen Studie kann seltene oder spät auftretende Schäden nicht ausschließen.

Für jeden dieser Bereiche müssen Nutzen, offene Fragen, Risiken und etablierte Alternativen gesondert abgewogen werden:

  • Orthopädische Erkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparats
  • Degenerative Bandscheiben- und Wirbelsäulenerkrankungen
  • Neurologische Erkrankungen wie MS, Parkinson und die Rehabilitation nach einem Schlaganfall
  • Rheumatologische und Autoimmunerkrankungen
  • Hauterkrankungen und ästhetische Anliegen
  • Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Entwicklungsstörungen einschließlich der Unterstützung bei Autismus-Spektrum-Störung

Fragen zu den Belegen eines Anbieters

Bevor Sie sich auf klinikeigene Forschung, Kooperationen oder Erfolgsangaben verlassen, sollten Sie nach überprüfbaren Unterlagen fragen:

  • Welche Veröffentlichungen beschreiben genau das vorgeschlagene Zell- oder EV-Produkt?
  • Ist der genannte Anbieter Autor oder Prüfarzt, und lässt sich diese Rolle überprüfen?
  • Welche Zulassung oder ethische Genehmigung gilt für genau diese Behandlung und Einrichtung?
  • Wie wurden Ergebnisse, unerwünschte Ereignisse, Studienabbrecher und Zufriedenheit erfasst?
  • Werden die Ergebnisse unabhängig geprüft, und umfassen sie alle infrage kommenden Patienten statt ausgewählter Erfahrungsberichte?

Klinische Datenlage und veröffentlichte Studien

Die veröffentlichten Ergebnisse umfassen ermutigende Signale, negative Befunde und ungeklärte Fragen. Die folgenden Beispiele zeigen, warum Produkt, Studiendesign und Endpunkt entscheidend sind. Sie sind keine Ergebnisdaten von TurkeyStemcell, keine umfassende systematische Übersichtsarbeit und keine Prognose für einzelne Patienten.

Auch behördliche Zulassungen gelten nur für ganz bestimmte Produkte. So ließ die FDA das aus Knochenmark von Spendern gewonnene MSC-Produkt Ryoncil im Dezember 2024 für die steroidrefraktäre akute Graft-versus-Host-Krankheit bei Kindern ab zwei Monaten zu. Diese US-Zulassung gilt weder für andere MSC-Präparate noch für WJ-MSCs oder die hier besprochenen Erkrankungen und bedeutet keine Zulassung in der Türkei.

Orthopädische Erkrankungen und Bewegungsapparat

Studien zur Kniearthrose haben unterschiedliche Zellquellen und Vergleichsbehandlungen verwendet. Manche berichten von weniger Schmerzen oder besserer Funktion, während die strukturellen Befunde uneinheitlich sind. Weniger Beschwerden sind nicht gleichbedeutend mit nachgewiesenem Knorpelwachstum. In der kleinen randomisierten Phase-I/II-Studie von Matas et al. verbesserte die wiederholte Gabe von MSCs aus der Nabelschnur einige klinische Werte nach einem Jahr stärker als Hyaluronsäure, die MRT-Werte unterschieden sich jedoch nicht.

Weitere Studien aus der ausgewählten Literatur zeigen die Bandbreite der Daten und ihre Grenzen:

  • Jo et al. (2017) beobachteten 18 Patienten, die ihre eigenen MSCs aus Fettgewebe erhalten hatten, über zwei Jahre. Die Verbesserungen und strukturellen Signale in dieser Kohorte müssen in kontrollierten Studien bestätigt werden; eine Wirksamkeit von WJ-MSCs belegen sie nicht.
  • Hernigou et al. (2014) berichteten in einer Fall-Kontroll-Studie über eine bessere Heilung nach Rotatorenmanschetten-Operationen, die mit Knochenmarkkonzentrat ergänzt wurden. Das belegt nicht, dass eine alleinige Injektion von Spenderzellen jede erneute Ruptur verhindert.
  • Gupta et al. (2016) untersuchten gepoolte MSCs aus dem Knochenmark von Spendern. Der Trend bei den Beschwerden in der Gruppe mit 25 Millionen Zellen war gegenüber Placebo statistisch nicht signifikant; höhere Dosen führten zu mehr unerwünschten Ereignissen, und die MRT-Werte unterschieden sich nicht.
  • Lamo-Espinosa et al. (2020) untersuchten körpereigene MSCs aus dem Knochenmark in Kombination mit plättchenreichem Plasma. Innerhalb der Gruppen wurden Verbesserungen berichtet, die Unterschiede zwischen den Gruppen waren jedoch statistisch nicht signifikant, und die Bildgebung zeigte keine strukturelle Verbesserung. Eine Kombinationsstudie kann die Wirkung von WJ-MSCs oder Exosomen allein nicht belegen. Auch für Meniskus- und Sehnenindikationen sind eigene kontrollierte Studien nötig.

Neurologische Erkrankungen

Frühe Studien untersuchen MSCs bei Multipler Sklerose, Schlaganfall, Rückenmarksverletzung, Parkinson-Krankheit und Alzheimer-Krankheit, mit unterschiedlichen Verabreichungswegen und Endpunkten. Diese neurologischen Indikationen sind nicht austauschbar. In der randomisierten MESEMS-Studie verbesserten intravenös gegebene körpereigene MSCs aus dem Knochenmark den primären Endpunkt, entzündliche Läsionen im MRT, bei aktiver MS nach 24 Wochen nicht. Weder eine Darstellung des Wirkmechanismus noch ein frühes Sicherheitssignal belegen einen Ersatz von Nervenzellen oder die Wiederherstellung neurologischer Funktionen.

Autoimmunerkrankungen

Die immunmodulierende Wirkung ist ein Grund, MSCs bei rheumatoider Arthritis, Lupus und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zu untersuchen; ein Beleg für einen „Neustart“ des Immunsystems ist sie nicht. Krankheitsaktivität, Remission, Kortisonbedarf und unerwünschte Ereignisse müssen für jede Indikation in kontrollierten Studien untersucht werden. Ein Ansprechen bei einer Immunerkrankung belegt keinen Nutzen bei einer anderen, und ein experimentelles Behandlungsangebot sollte immer zusammen mit der etablierten Therapie beurteilt werden.

Anti-Aging & Langlebigkeit

Studien zu Gebrechlichkeit, Hautbefunden oder Biomarkern können für sich genommen weder eine Umkehr des Alterns noch ein längeres Leben oder eine Verjüngung des ganzen Körpers belegen. Selbst in der Hautforschung fallen Ergebnisse auch negativ aus: Fan et al. (2020) teilten 90 Frauen nach einem Kaiserschnitt zufällig einem MSC-Hydrogel aus der Nabelschnur oder Placebo zu und fanden nach sechs Monaten beim primären Endpunkt zur Narbe keinen signifikanten Unterschied. Diese Studie stützt keine weitreichenden Aussagen zu Anti-Aging oder zu einem Nutzen für die geistige Leistungsfähigkeit.

Unterstützung bei Autismus-Spektrum-Störung

Zellbasierte Behandlungen bei Autismus sind weiterhin experimentell und dürfen nicht als bewährter Weg dargestellt werden, Kommunikation oder Entwicklung zu verbessern. In der Studie von Dawson et al. (2020), einer randomisierten Studie mit 180 Kindern, verbesserte intravenös gegebenes Nabelschnurblut den primären Endpunkt zur sozialen Kommunikation in der Gesamtgruppe nicht. Nabelschnurblut unterscheidet sich von WJ-MSCs und EVs; über deren Wirkung sagt dieses Ergebnis daher nichts aus. Behandlungsvorschläge für Kinder erfordern eine sorgfältige, unabhängige Beurteilung der Datenlage, der Risiken, der Einwilligung und der bewährten Fördermaßnahmen.

Datenlage und Risiken: Zellbasierte Behandlungen können wirkungslos bleiben, aber auch schaden. Infektionen, Immun- oder Infusionsreaktionen, unerwünschte Gewebebildung und Komplikationen des jeweiligen Verabreichungswegs müssen besprochen werden. Manche unzureichend geprüfte Produkte haben schwerwiegende unerwünschte Ereignisse verursacht, und Langzeitrisiken sind teils ungeklärt. Die ISSCR-Leitlinie zur klinischen Translation fordert für nicht erwiesene Behandlungen belastbare Daten und eine strenge Aufsicht. Die Patienteninformation der FDA beschreibt die Risiken nicht zugelassener regenerativer Produkte in den USA; über den Status eines Anbieters in der Türkei sagt sie nichts aus. Lesen Sie dazu unseren vollständigen medizinischen Haftungsausschluss.

Ausgewählte Literatur

Freitag, J. et al. Mesenchymal stem cell therapy in the treatment of osteoarthritis: Reparative pathways, safety and efficacy – A review. BMC Musculoskelet. Disord. 17, 230 (2016). Zur Übersichtsarbeit.

Matas, J. et al. Umbilical Cord-Derived Mesenchymal Stromal Cells (MSCs) for Knee Osteoarthritis: Repeated MSC Dosing Is Superior to a Single MSC Dose and to Hyaluronic Acid. Stem Cells Transl. Med. 8, 215–224 (2019). Zur Studie.

Jo, C. H. et al. Intra-articular Injection of Mesenchymal Stem Cells for the Treatment of Osteoarthritis of the Knee: A 2-Year Follow-up Study. Am. J. Sports Med. 45, 2774–2783 (2017). Zur Kohortenstudie.

Hernigou, P. et al. Biologic augmentation of rotator cuff repair with mesenchymal stem cells during arthroscopy improves healing and prevents further tears. Int. Orthop. 38, 1811–1818 (2014). Zur Fall-Kontroll-Studie.

Fan, D. et al. Efficacy and safety of umbilical cord mesenchymal stem cells in the treatment of cesarean section skin scars: a randomized clinical trial. Stem Cell Res. Ther. 11, 244 (2020). Zur Studie.

Gupta, P. K. et al. Efficacy and safety of adult human bone marrow-derived, cultured, pooled, allogeneic mesenchymal stromal cells (Stempeucel®): preclinical and clinical trial in osteoarthritis of the knee joint. Arthritis Res. Ther. 18, 301 (2016). Zur Studie.

Lamo-Espinosa, J. M. et al. Phase II multicenter randomized controlled clinical trial on the efficacy of intra-articular injection of autologous bone marrow mesenchymal stem cells with platelet rich plasma for the treatment of knee osteoarthritis. J. Transl. Med. 18, 356 (2020). Zur Studie.

Die ausgewählten Veröffentlichungen betreffen unterschiedliche Produkte und Studiendesigns und enthalten auch neutrale oder negative Ergebnisse. Eine Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift ist weder eine Zulassung einer Behandlung noch eine Bestätigung der Ergebnisse einer Klinik. Ob eine Behandlung vor Ort aktuell zugelassen und für Sie geeignet ist, muss für genau die vorgeschlagene Maßnahme geprüft werden.

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Nutzen Sie die Beratung, um Ihre Diagnose, Ihre Krankengeschichte, Ihre Ziele, die relevante Forschung und etablierte Alternativen zu besprechen. Fragen Sie vor Ihrer Entscheidung, was noch ungewiss ist, welche Risiken das vorgeschlagene Produkt und der Verabreichungsweg mit sich bringen und auf welche Daten sich die Empfehlung stützt.

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